Die “PÖMS” sind entstanden in der Zeit von 1968-75, also um das Abitur herum und waehrend des Studiums in Bonn Bad –Godesberg und Schlaefrig-Holstein.Gedruckt wurden die Pöms in 1993 ISBN 3-924542-93-7, ahem, unter dem Pseudonym ”B.N.Deniz” was auf Türkisch in etwa: bendeniz, also “meine Wenigkeit” bedeutet. 2007 dachte ich “Wat soll’s” und teile sie nun mit per Internet unter meinem eigenen Namen.

DIE ZEIT FÄNGT IMMER KURZ AN

Die Zeit fängt immer kurz an,
Trotz Wünschen — trotz Menschen,
Mit all ihren Nachteilen;
Aber nicht sprunghaft.

Die Zeit fängt immer kurz an,
Natürlich.
Wird dann durch Bewußtsein weiter,
Länger wird sie nur bei Fehlern.

Finde Dich damit ab, Kamerad:

Die Zeit fängt immer kurz an,
Strebt dann zur Unendlichkeit:
Sie das Verlieren nicht kennt.

AN MEERMACHERS BRAUT

Ich glaube, wir könnten uns
unendlich lieben,
Wie die Sandkörner an den Dünen;
oder Tränen in dem Meer.

Nur sollte man dabei
das Sandkorn fühlen
Und nicht unbedingt denken,
an das Meer.
Wie Dünen aus Sandkörnern,
Ist das Meer aus Tränen
gebaut.
Verstanden haben dies vor uns
Viele;
Aber schau Dich nur um,
Mein Liebes:
Es gibt nur
Einige wenige Meere.

PHÄNOTYPIE

Manche merken es, manchmal, bewußt;
Einige wissen es, Viele wissen es nicht, merken es nicht,
Haben es im Laufe der Zeit vergessen.

Es gibt auch solche, Die es nie gemerkt haben:
Sie sind einfach hineingewachsen,
hineinerzogen worden.
Die Würde des Gerichtsvorsjtzenden,
Des Schiedsrichters, des Angeklagten, des Spielers
Oder des Arztes, des Pflegers,
Ja des Patienten.
Gerechtigkeit, Tod
Des Pfarrers, ... Gott!
Dann ist da noch die Liebe.

PREKÄR

Mit dreiundzwanzig Jahren
war mein Vater —
Unwichtig, ob König oder
Landstreicher —
Ein Mann, der nicht wußte,
Weshalb er lebte.

Der einzige Grund aber,
Weshalb er lebte,
War seine Liebe zu uns
— Die er geschaffen und
So unendlich liebte.
Es war wie ein Glauben fast,
Aus Schwäche entstanden,
Mit Demut und Selbstlosigkeit geschmückt.


Als ich fünfundzwanzig war,
Wußte ich immer noch nicht,
Weshalb ich lebte.
Ich lebte aber, weil mein Vater
Mich doch so liebte.
Dann traf ich ein Mädel
Und wir verliebten uns;
Aus gegenseitiger Schwäche,
Mit Demut und Selbstlosigkeit geschmückt.
Dann starb sie!

Und mit sechzig war ich nun
Ein Mann – unwichtig, ob König oder Landstreicher –
Der nicht wußte, weshalb er lebte…
Ich lebe aber doch weiter
Wegen der Kinder – wissen Sie!
Die ich so sehr liebe.

DRANG

Aus dem Trott heraus bin ich,
Ganz weit raus in die Höhe
Wo die Luft doch so windig
Wo der Duft so berauschend.

Der Substanz näher,
So herausfordernd, drohend und schön.
So elementar und so zart.
Ich hatte Angst.

Ich wollte die Augen schließen
Und in einem Traum versinken.
Ich wollte zu dem Trott hinunter,
Urn nach berauschendem Duft mich zu sehnen.

ZEIT

Freund oder Feind —
Was bist Du?

Herausfordernd und so wild,
Eindämmend und so befestigend
bist Du.

Berauschend gerade nicht.

Zeit —
Sicherheits großer Bruder;
Bist Du mit Bewußtsein verwandt?
Wes Geistes Kind? Wer bist Du?

Zeit... Zeit!
Freund oder Feind —
Ob häßlich oder schön,
Bin auf der Suche nach Dir.